Buchtipps für Erwachsene

„Angerichtet“ (Herman Koch)

Diese Buch hat unsere Mitarbeiterin Ines Schüll in unserer Januar-Veranstaltungsreihe vorgestellt.

Ein Abend im Sternerestaurant. Zwei Elternpaare – eine lebenswichtige Entscheidung. Der preisgekrönte Bestseller aus den Niederlanden erzählt ein Familiendrama, das um die Fragen kreist: Wie weit darf Elternliebe gehen? Was darf man tun, um seine Kinder zu beschützen? Der Roman spielt in einem Edelrestaurant und ist eingebettet in ein komplettes Menü: Aperitif – Vorspeise – Hauptgang – Dessert – Digestif – Trinkgeld. Wie es sich für ein Sternerestaurant gehört, wird die Geschichte in kleinen Häppchen serviert.

Zwei Ehepaare sind zum Essen verabredet. Da ist zum einen das sympathische und bodenständige Paar Paul und Claire. Paul ist Lehrer, übt aber seinen Beruf nicht mehr aus. Sie haben einen Sohn, Michel, ca. 15 Jahre alt. Bei dem anderen Paar handelt es sich um Serge und Babette. Serge ist ein bekannter Politiker und möchte Ministerpräsident werden. Er ist sehr bekannt, übrigens auch in dem Lokal, in dem sie sich treffen. Auch Serge und Babette haben einen Sohn, Rick, ebenfalls ca.  15 Jahre alt. Die beiden Männer sind Brüder, ihr Verhältnis zueinander ist eher gespannt.Für das Treffen der beiden Paare gibt es einen wichtigen Grund. Die beiden Söhne haben etwas Furchtbares getan, das die Zukunft der beiden Jungs für immer ruinieren kann. Alle haben bisher voreinander verschwiegen, wie viel sie von der ganzen Sache wissen. Aus diesem Grund unterhält man sich die meiste Zeit über Belanglosigkeiten wie Kino oder Urlaube, unterbrochen nur vom Auftauchen der Bedienung. Es verläuft alles genauso, wie man es sich in einem Sternerestaurant vorstellt. Paul beschreibt das Ganze sarkastisch und amüsant, gerät dabei aber innerlich zusehends ins Kochen. Wer will schon wissen, unter welcher Sonne die Mikrotomate gereift ist, die auf dem Teller in einer biodynamischen Olivenölpfütze hockt! Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen.

Mit unglaublicher Raffinesse und großem Sprachwitz erzählt Herman Koch eine Geschichte von bedingungsloser Liebe, Gewalt und Verrat. Nach und nach nur werden die wahren Abgründe und Motive der Personen sichtbar, ständig wird der Leser herausgefordert, sein moralisches Urteil neu zu fällen. Angerichtet ist ein aufwühlender Roman, der lange nachhallt.

Das Glücksbüro (Andreas Izquierdo)

Dieses Buch hat unsere Mitarbeiterin Isolde Larisch im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe "Mitarbeiterinnen stellen Lieblingsbücher vor" im Januar 2015 vorgestellt.

Als mir eine Bekannte das Buch zum Lesen gab, war ich skeptisch. Meine Unsicherheit jedoch verflog beim Lesen sehr schnell.
Andreas Izquierdo schreibt und beschreibt einfach schön. Er lässt die Geschichte in einer recht tristen Umgebung spielen und beschreibt seine Hauptfigur als etwas skurril und spießig. Er tut dies aber charmant und fast liebevoll. Seine lebendigen, bildhaften Beschreibungen, seine witzigen Vergleiche, seine herrlichen Wortspielereien und seine lebhaften Schilderungen haben mich beim Lesen begeistert und immer wieder zum Schmunzeln gebracht.


Zum Inhalt:

Albert Glück ist knapp über fünfzig, ein wenig trocken und äußerst penibel. Seit über dreißig Jahren arbeitet er im Amt für Verwaltungsangelegenheiten. Er liebt sein Amt und sein Büro. Er kennt jedes Formular und jede Dienstvorschrift. Seine Welt sind: Formulare, Stempel, Dienstvorschriften. Für ihn gibt es nichts Schöneres als das Bearbeiten von Anträgen.

Doch eines Tages wird Alberts geordnetes Leben durcheinandergebracht.  Auf seinem Schreibtisch landet der Antrag mit der Nummer E 45. Es ist ein Antrag, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, denn er beantragt NICHTS! Da Albert sich weigert, den Antrag einfach nur abzulegen, schickt sein Vorgesetzter ihn los, um die Antragstellerin aufzusuchen. So setzt Albert zum ersten Mal seit 30 Jahren einen Fuß vor die Tür des Amtes und trifft auf Anna, eine liebenswerte, etwas chaotische Künstlerin. Das setzt eine gewaltige Veränderung in Gang -  für Albert persönlich,  für das Amt und die Antragsteller  und  bringt schließlich sogar das Bundesmiisterium des Inneren auf den Plan.

Schals von Welt

Der Winter kann kommen!
Schals von Welt nimmt die Strick-Gemeinde mit auf eine Reise um den ganzen Globus. Mit Anleitungen von verschiedenen Designerinnen versammelt dieses Buch 23 beeindruckende Muster aus Ländern mit langer Stricktradition wie Norwegen, Schweden, Island, Schottland und Estland. Es gibt Anleitungen für aufwendige Spitzenschals, bunte Doublefaceschals und Schals mit Zöpfen, dazu eine kurze Einführung von Donna Druchunas, farbige Strickdiagramme und zahlreiche Fotos. Wenn es um das Thema Schals geht, ist dieses Buch unverzichtbar!

Krimi: Kühlfach 4 (Jutta Profijt)

"Wer bist du?", fragte er flüsternd. "Ich bin Pascha, der Kerl aus dem Kühlfach vier." Aber du bist tot, du kannst nicht mit mir sprechen", wandte er ein. "Hast du noch nie was von Nahtod gehört? Die Seele verlässt den Körper und macht sich dann irgendwann auf den Weg durch den Tunnel. Aber hier ist kein Tunnel, ich weiß nicht, wo ich hin soll."

Ein nicht ganz toter Kleinkrimineller und ein penibler Rechtsmediziner auf spannender Mörderjagd. Aufgrund der gegensätzlichen Sprache der Hauptfiguren kommt es immer wieder zu Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den beiden. Die Kommentare vom Geist Pascha sind sehr erheiternd!

„Dieser kleine Prolet mit der großen Klappe ist der witzigste Tote, der mir je begegnet ist!“
Dora Heldt

„Genial komisch – solange der Typ nicht bei mir im Sektionssaal auftaucht!“
Dr. F. Glenewinkel, Rechtsmediziner

Sommernachtszauber (Christina Jones)

Als Sukie Ambrose einen nackten Mann in ihrem Bett vorfindet, ist sie ein wenig irritiert. Wurden ihre heimlichen Wünsche endlich erhört? Leider stellt sich heraus, dass Derry ein Mitbringsel ihrer attraktiven Mitbewohnerin ist und eigentlich für sie tabu. Aber seit Sukie Duftöle mischt und verkauft, geschehen merkwürdige Dinge in ihrem kleinen englischen Dorf. Liebe liegt in der lauen Sommerluft - und mit einem kleinen Zauber lässt sich vielleicht auch Derry diskret erobern ...

Wenn man das Buch liest, bekommt man richtig Lust auf eine Massage mit Duftölen oder einen Spaziergang in der Natur!

Sternengewitter (Kim Culbertson)

Das Buch wird empfohlen für Leser ab 13 Jahren. Es ist aber auch eine schöne Sommerlektüre für Erwachsene!

Das Provinznest Little steht völlig Kopf, als ausgerechnet dort ein Hollywood-Film gedreht werden soll. Nur die 17-jährige Hobby-Bloggerin Carter Moon zeigt sich völlig unbeeindruckt – erst recht von Hollywood-Beau Adam Jakes, mit dem ihre Freundin Chloe ihr Zimmer tapeziert hat. Doch dann bekommt Carter ein unglaubliches Angebot: Um das ramponierte Image des Stars aufzupolieren, soll sie vor der Presse seine Freundin geben! Widerwillig geht Carter auf den Deal ein – bis sie plötzlich merkt, dass ihre Gefühle für Adam nicht nur im Skript stehen ...
Und dann ist da noch die Sache mit den Sternen. Die eigentliche Geschichte wird nämlich hin und wieder unterbrochen und es gibt Blogeinträge zu lesen, die von Carter stammen. Diese führt nämlich einen Blog, auf dem es um Sterne geht und ihre Metaphern zu den aktuellen Geschehnissen hatten immer etwas mit den Sternen zu tun.

Der perfekte Sommer-Roman: Der Sommer der Blaubeeren (Mary Simses)

Ellen ist Mitte dreißig, erfolgreiche Anwältin, lebt in New York und steht mit ihrem ebenso aufstrebenden Anwaltsfreund kurz vor der Hochzeit.

Zu dieser Zeit stirbt unerwartet Ellens Großmutter, die sie sehr liebte. Kurz vor ihrem Tod ringt sie ihrer Enkelin allerdings noch ein Versprechen ab. Ellen soll einen Brief ihrer Großmutter einem ehemaligen Freund in Beacon, dem Geburtsort der alten Dame, übergeben. Natürlich verspricht sie ihrer Oma nur zu gern und macht sich schließlich ein paar Tage später sofort auf den Weg in das kleine Örtchen.
Zunächst etwas verstört von der Kleinstadtidylle, der sauberen Luft, der Ruhe und des leckeren, bodenständigen Essens mit vielen Kalorien, kann sie sich dennoch nach und nach auf die Gegebenheiten einlassen.
Als sie bei einem Spaziergang dann allerdings von einem Steg ins Meer stürzt und von einem jungen, mutigen Mann vor dem Ertrinken gerettet wird, verliert sie nicht nur im Wasser den Boden unter den Füssen.

Ein stimmungsvoller Sommerroman, bei dem man von leckerem Blaubeerkuchen und erfrischender Limonade träumt. Die perfekte Urlaubslektüre!

Roman: Mathilde und der Duft der Bücher (Anne Delaflotte)

Ein guter Buchbinder liest nicht, hat Mathildes ­Groß­vater immer gesagt. Doch wie soll sie der V­ersuchung ­widerstehen? Da betritt dieser gutaussehende junge Mann ihre Werkstatt in dem kleinen Dorf in der Dordogne, in das sie vor kurzem gezogen ist. Und er überreicht ihr dieses geheimnisvolle alte Buch mit Brandspuren. Es enthält Zeichnungen und Aquarelle einer Tempelanlage im Wald. Beim Restaurieren entdeckt Mathilde außerdem eine im Rücken verborgene, handgeschriebene ­Namens­liste. Als sie den Spuren dieser Namen nachgeht, stößt sie auf ein Geheimnis aus der deutschen Besatzungszeit, das bis heute nachwirkt. Mit französischer Leichtigkeit erzählt Anne Delaflotte diese stimmungsvolle, sinnliche Geschichte über eine junge Frau und ihre Passion für die Welt der Bücher.

Das Buch hat alles, was man für einen entspannten Lesenachmittag benötigt: eine gut nachvollziehbare Geschichte, eine schöne, bildhafte Sprache, Spannung und ein Happy End.

Roman: Weit weg und ganz nah (Jojo Moyes)

Einmal angenommen, dein Mann hat sich aus dem Staub gemacht. Du schaffst es kaum, deine Familie über Wasser zu halten. Deine hochbegabte Tochter bekommt eine einmalige Chance. Und du bist zu arm, um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Plötzlich liegt da ein Bündel Geldscheine. Du weißt, dass es falsch ist. Aber auf einen Schlag wäre dein Leben so viel einfacher. Und einmal angenommen, du strandest mitten in der Nacht mit deinen Kindern am Straßenrand – und genau der Mann, dem das Geld gehört, bietet an, euch mitzunehmen. Würdest du einsteigen? Würdest du ihm irgendwann während eures verrückten Roadtrips gestehen, was du getan hast? Und kann das gutgehen, wenn du dich ausgerechnet in diesen Mann verliebst?

Den Debütroman von Jojo Moyes (Ein ganzes halbes Jahr) habe ich sehr geliebt. In den zweiten (Eine handvoll Worte) kam ich zwar schlecht rein, aber dann nahm die Geschichte so dermaßen Fahrt an, dass ich auch das Buch sehr in mein Leserherz geschlossen hatte. Mit ihrem dritten Roman "Weit weg und ganz nah" beweist die Schriftstellerin einmal mehr, dass sie mit “Ein ganzes halbes Jahr” kein zufälliges One-Hit-Wonder gelandet hat. Ihre Geschichten haben das, was vielen Büchern aus der Kategorie “Frauenliteratur” und “Liebesdrama” sonst fehlt: einen Touch Realismus. Natürlich wendet sich am Ende alles irgendwie zum Guten, aber davor müssen ihre Figuren ganz schön viel Mist durchmachen...